Das Papierstudium

Information on zum Beruf als Papier- und Zellstoffingenieur

Herausforderung für den modernen Papieringenieur

Es geht kein Tag vorbei, an dem wir nicht mit Papier in Berührung kommen. Die aus Faserstoff hergestellten Produkte gehen dabei auf die unterschiedlichsten Qualitäts- und Eigenschaftsanforderungen ein. Papierprodukte begegnen uns in Form von Informationsträgern, als Schutz- und Verpackungsmaterial, als Filter- oder Isoliermedium und im Hygienebereich. Es ist ein Medium das sich in den letzten 2000 Jahren ständig an ändernde Anforderungen anpassen konnte, und es wird sich auch in den nächsten 2000 Jahren daran anpassen. Zwar werden im Lauf der Zeit verschiedene Produkte aufgrund geänderter Randbedingungen verschwinden, gleichzeitig tun sich aber immer wieder Bereiche auf, für die neue Papiere "designed" werden müssen. Dies zu Erkennen und Umsetzen ist die Herausforderung für den modernen Papieringenieur.

Das Studium der Papier und Zellstofftechnik: Ein Start-Ziel Sieg

Die Verfahrenstechnik ist traditionell eine angewandte Ingenieurwissenschaft an der Schnittstelle verschiedener Disziplinen. In der Ausbildung wird auf hohem technischen Niveau eine breite naturwissenschaftliche Grundausbildung vermittelt, an die sich eine Spezialausbildung in der Papier- und Zellstofftechnik anschließt. Die Ausbildung ist dabei so ausgerichtet, dass das Arbeitsfeld der Absolventen von der Planung von Apparaten und Anlagen, über den Betrieb von Anlagen bis hin zur Forschung und Entwicklung liegen kann.

Das Studium der Papier- und Zellstofftechnik an der Technischen Universität in Graz ist eines der wenigen in Europa und das einzige in Österreich. Durch die geringe Anzahl der Studierenden ist eine familiäre Atmosphäre gegeben wo jeder jeden kennt und ein rascher Studienfortgang möglich ist. Für die Ferien werden Praktika vermittelt, bei denen man nicht nur gut verdient, sondern auch für das Studium und den zukünftigen Beruf etwas mitnehmen kann. Fallweise können Studierende auch im Forschungsbetrieb des Institutes mitarbeiten und verdienen noch etwas dazu.

Zum Schluss des Studiums steht die Diplomarbeit, deren Thema je nach Neigung der Studierenden vergeben werden kann und meist als bezahlte Industriearbeit durchgeführt wird. Auf diese Weise wachsen die Studierenden bereits in die Industrie hinein und oft ist die Firma, bei der die Diplomarbeit gemacht wird auch der erste Arbeitsgeber.

Die Jobs, die Chancen und die Konkurrenz des Papieringenieurs

Dem Papieringenieur bietet sich nach dem Studium ein überaus weites Betätigungsfeld. Neben der eigentlichen Papierherstellung stehen dem Absolventen Bereiche wie Faserstofferzeugung, Papierveredelung, Papierverarbeitung und die gesamte bedruckende Industrie offen. Ein großer Anteil der Absolventen wird aber von der Zulieferindustrie abgeworben und beschäftigt sich mit der Konzeption, dem Bau oder dem Verkauf von Papiermaschinen bzw. von Anlageteilen im Bereich der Papierproduktion. Eine weitere mögliche Betätigung im Bereich die Zulieferindustrie liegt bei der Herstellung der produktionsrelevanten chemischen und mineralischen Hilfsmittel.

Egal in welchen dieser Bereiche der Papieringenieur nach dem Studium einsteigt,  ein rascher Aufstieg in leitende Positionen ist oft möglich, speziell für belastbare und hart arbeitende Persönlichkeiten. In wenigen anderen technischen Disziplin ist es möglich derart schnell zu Führungspositionen zu kommen. Der  Grund dafür liegt in dem jahrzehntelangen Nachwuchsmangel im gesamten mitteleuropäischen Raum, der sich in den letzten Jahren leider weiter verstärkte. Nach einer aktuellen Studie schließen im nicht-skandinavischen Europa jährlich 250 Studenten ihr Papierstudium ab, der Bedarf liegt aber bei 1500 Absolventen! Der mitteleuropäische Absolvent der Papiertechnik hat also ausgezeichnete Berufsaussichten.

Die skandinavischen Länder haben keine Nachwuchsprobleme, da dort der Stellenwert der Papierindustrie viel größer ist als im restlichen Europa. So ist es auch kaum verwunderlich das diese Länder sowohl in wirtschaftlicher als auch in technischer Hinsicht in der Papierindustrie weltweit Ton angebend sind.

 

Wirtschaftlicher Hintergrund der ausgezeichneten Aussichten für den Papieringenieur in Österreich

 

Die Papierindustrie braucht hierzulande hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Bedeutung den Vergleich mit anderen, in der Öffentlichkeit aber stärker wahrgenommenen Disziplinen nicht zu scheuen. So liegt die Wertschöpfung der österreichischen Holz- und Papierindustrie vor der des Autoclusters und nur geringfügig hinter jener der Fremdenverkehrsindustrie (dem stärksten Industriezweig in Österreich). Basis dieses Erfolges ist der nachwachsende Rohstoff Holz, der in Österreich in großen Mengen vorhanden ist. Ein seit Jahrhunderten nachhaltiges Wirtschaften sichert die Versorgung mit diesem Rohstoff selbst bei deutlich steigendem Produktionsvolumen langfristig. Derzeit wird den österreichischen Wäldern wesentlich weniger Holz entnommen als nachwächst.